ROCKHARZ 2025: Die Band-Berichte zum Freitag

„Thank God it’s Friday!“ gilt auf dem ROCKHARZ nicht. Denn es bedeutet, dass wir schon in die zweite Festivalhälfte aufbrechen. Andererseits heißt es auch, dass wir noch zwei volle Tage vor uns haben! Also schnell den müden Kadaver aus dem Zelt geschält – bereits am Vormittag warten die ersten Höhepunkte auf uns.

11:20–11:50 SEASONS IN BLACK (Rock Stage)

SEASONS IN BLACK – ROCKHARZ 2025

SEASONS IN BLACK – ROCKHARZ 2025

„ROCKHARZ, seid’s ihr stabil?“, ruft SEASONS-IN-BLACK-Sänger Lucki Maurer mit bayerischem Dialekt in die Menge. Logo, denn erstens haben sich heute trotz der früheren Infieldöffnung schon zahlreiche Fans vor der Bühne versammelt. Zweitens haben sie mächtig viel Bock mitgebracht und feiern den schweren, aber melodischen Metal ab. Als Bonus gibt es die 90er-Hymne „Inside“ – spätestens jetzt gehen alle Pommesgabeln in die Luft.

11:55–12:25 ARCTIS (Dark Stage)

ARCTIS – ROCKHARZ 2025

ARCTIS – ROCKHARZ 2025

ARCTIS kamen 2024 aus dem Nichts – mit ihrem Debüt und einem Labeldeal bei Napalm Records. Die Modern-Metal-Band rockt die Bühne mit elektronischen Sounds und harten Gitarren. Dabei legt Sängerin Alva Sandström ihre kraftvolle Stimme gekonnt über die eingängigen Nummern, die sich bestens dafür eignen, die Müdigkeit vollends aus den Knochen zu tanzen.

12:30–13:00 DEFECTS (Rock Stage)

DEFECTS – ROCKHARZ 2025

DEFECTS – ROCKHARZ 2025

Es wird noch heftiger: Die ganz in Schwarz gekleideten DEFECTS geben die Personal Trainer für die ROCKHARZ-Meute – zum melodischen, aber technischen Metalcore der Briten lässt sich halt gediegen eskalieren. Egal ob Hüpfen, Circlepit oder Wall Of Death, das Publikum macht mit. Selbst in den Kategorien „Koordinationsfähigkeit“ und „Stimme“ heimst die Menge wie selbstverständlich Höchstwertungen ein, als Sänger Tony Maue seine Anfeuerungsspielchen initiiert. Fazit: sowas von gelungen.

13:05–13:40 HARPYIE (Dark Stage)

HARPYIE – ROCKHARZ 2025

HARPYIE – ROCKHARZ 2025

Folk Metal am Mittag ist eine sichere Bank. Und so wecken HARPYIE mit ihren lockeren Tracks die Lebensgeister und sorgen für reichlich Bewegung vor der Bühne. „Wenn ich tot bin, dann sollst du tanzen“, singen sie – wir tanzen mit der sehr gut aufgelegten, sympathischen Truppe lieber heute!

13:45–14:30 AEPHANEMER (Rock Stage)

AEPHANEMER – ROCKHARZ 2025

AEPHANEMER – ROCKHARZ 2025

AEPHANEMER aus Frankreich überraschen mit einem spannenden Mix: Melodic Death Metal trifft auf Power-Metal-Elemente – dazu gesellt sich der keifige Gesang von Sängerin Marion Bascoul, der Höhen erklimmt, die man eher beim Mont Blanc als auf einem Festival vermuten würde. Als wäre das nicht genug, reichern AEPHANEMER das alles mit operettenhaftem Gesang an.

Die Band meistert ihren Auftritt musikalisch wie visuell bravourös. Besonders das Backdrop bleibt in Erinnerung. Ein kunstvoll gestaltetes Wildschwein (ja, wirklich: ein Wildschwein), fantasievoll inszeniert in einer märchenhaften Waldlandschaft. Das Motiv stammt vom Cover-Artwork ihres 2021er-Albums „A Dream Of Wilderness“ – und ist ein echter Blickfang. Im November geht’s aus Tour. Spätestens nach dem ROCKHARZ-Gig auf jeden Fall ein Muss.

14:35–15:20 DESERTED FEAR (Dark Stage)

DESERTED FEAR – ROCKHARZ 2025

DESERTED FEAR – ROCKHARZ 2025

Thüringer Death Metal steht auf dem Programm! DESERTED FEAR kommen direkt vom Autogrammstand auf die Bühne, stilecht mit Bier in der Hand. Nach einem kurzen „Alles klar?“ und dem bewährten Faustschlagritual geht es mit „The Truth“ vom neuen Album in die Vollen, dicht gefolgt vom Publikumsliebling „Kingdom Of Worms“. Zum Abschluss bedankt sich die Band herzlich – zwei Mitglieder müssen zwar direkt weiter zu einer Hochzeit, versprechen aber: Beim nächsten Mal gibt’s noch ein Bier mit den Fans.

15:25–16:10 VADER (Dark Stage)

VADER – ROCKHARZ 2025

VADER – ROCKHARZ 2025

Ganz ehrlich, VADER schreiben Fress-Brett-Geschichte beim ROCKHARZ! Was war denn das? Selten haben wir – und alle, mit denen wir gesprochen haben – einen besseren Sound bei einer Death-Metal-Show erlebt. Was natürlich auch an VADER liegt, die mit neuerdings drei Gitarristen und (wie immer) enormer Spielfreude und Live-Geilheit so dermaßen abliefern, dass wir den Circlepit-Staub aufgrund offener Münde genussvoll schlucken. This is the (Staub-)War!

„Ausgezeichnet“, sagt Peter in perfektem Polnisch-Deutsch und liefert damit das passendste Wort für diesen Gig. Hier stimmt einfach alles! Wer auf Death Metal steht, hat VADER beim ROCKHARZ 2025 hoffentlich gesehen – inklusive des 92er-Schmuckstücks „Dark Age“ und vielen weiten Todesblei-Hits.

16:15–17:00 DRACONIAN (Dark Stage)

DRACONIAN – ROCKHARZ 2025

DRACONIAN – ROCKHARZ 2025

Bange Minuten für das Publikum: Wird nach drei gescheiterten Anläufen wieder etwas den DRACONIAN-Auftritt auf dem ROCKHARZ verhindern? Um 16:15 Uhr ist klar: Die Metal-Götter haben ein Einsehen. Und die Schweden einen guten Tag erwischt, denn die Band mit dem gemischten Gesang intoniert ihren Dark Metal mit viel Herzblut. Die Songs wecken ganz große Gefühle, wenngleich eher düstere. Doch obwohl Tränen und Verlust in den Texten vorherrschen, haben sich Fans und Band am Ende gefunden – endlich!

17:05–17:50 ANY GIVEN DAY (Rock Stage)

ANY GIVEN DAY – ROCKHARZ 2025

ANY GIVEN DAY – ROCKHARZ 2025

Wenn eine Band den perfekten Spagat zwischen cleanen Vocals und Shouts im Modern-Metal-Kontext schafft, ist es ANY GIVEN DAY. Dank Sänger Dennis Diehl gelingt dieser Balanceakt mit außergewöhnlicher Bravour. Die emotionsgeladenen Melodien treffen auf wuchtige Breakdowns und groovende Riffs – bei den Gelsenkirchenern längst ein Markenzeichen und klares Qualitätsmerkmal.

Dass Metalcore auf dem ROCKHARZ von Jahr zu Jahr besser funktioniert, beweisen ANY GIVEN DAY eindrucksvoll – unter anderem mit einer optimal initiierten Wall of Death. Ein weiteres Highlight und ein Beleg dafür, wie modern und energiegeladen Metalcore heute klingen kann.

17:55–18:40 DIE KASSIERER (Dark Stage)

DIE KASSIERER – ROCKHARZ 2025

DIE KASSIERER – ROCKHARZ 2025

Jetzt wird abkassiert: Wolfgang Wendland und seine KASSIERER stehen auf der Bühne. Erstaunlicherweise ist der Fronter mal nicht nackt – den Part übernimmt ein Kollege mit Irokesen-Haarschnitt. DIE KASSIERER singen über Bier, Selbstbefriedigung und Kohlgemüse im Intimbereich. „Besoffen Sein“, grölt Wendland ins Mikro – das sind einige der Anwesenden sicherlich. Somit trifft der Party-Punk der Urgesteine voll ins Schwarze!

18:45–19:30 OVERKILL (Dark Stage)

OVERKILL – ROCKHARZ 2025

OVERKILL – ROCKHARZ 2025

OVERKILL haben alle Regler auf elf gedreht und liefern eine gewohnt überdrehte Thrash-Metal-Show – mit hartem Punch, Riffs in Nackenbrecher-Qualität und der unverwechselbaren Ferkelstimme von Bobby ‚Blitz‘ Elsworth. Und ab und zu auch mit hymnischen Passagen, bei denen alle mitsingen können.

Songs vom Schlage „Rotten To The Core“, „Hello From The Gutter“ und „The Surgeon“ sorgen vor der Bühne für ordentlich Betrieb, was der Sänger mit einem Augenzwinkern quittiert: „Ihr macht, dass ich mich wieder wie 65 fühle.“ Der gute Mann ist immerhin gerade 66 geworden. Fehlt noch etwas? Klar – das unverwüstliche „Fuck You“, bei dem alle im Publikum noch einmal die letzten Energien aktivieren.

19:35–20:35 GLORYHAMMER (Dark Stage)

GLORYHAMMER – ROCKHARZ 2025

GLORYHAMMER – ROCKHARZ 2025

Tanzende Dinos und viele Shirts mit martialischen Einhörnern können nur eines bedeuten: GLORYHAMMER geben sich die Ehre. Die Schotten präsentieren ein Best-of-Set, das kaum einen Klassiker missen lässt. Neben aktuellen Tracks wie „Keeper Of The Celestial Flame Of Abernathy“ und „He Has Returned“ darf auch „The Unicorn Invasion Of Dundee“ nicht fehlen.

Wir tanzen und singen fleißig zu den Ohrwurmsongs mit. Glitzerstaub und Feenpupse satt – GLORYHAMMER wissen, wie man eine Power-Metal-Party feiert.

20:40–21:40 CRADLE OF FILTH (Rock Stage)

CRADLE OF FILTH – ROCKHARZ 2025

CRADLE OF FILTH – ROCKHARZ 2025

Kontrastreicher könnte ein Programm kaum sein: Nach dem Fantasy-Metal-Spektakel ziehen dunkle Wolken auf – zumindest stilistisch. Als einer der finstersten Acts des diesjährigen Festivals entführt uns die britische Extreme-Metal-Legende sogleich in ihre Anfangszeit: und zwar zum Titeltrack ihres 1994er-Debüts „The Principle Of Evil Made Flesh“.

Dani Filth ist bestens bei Laune und Stimme und führt uns souverän durch ein düster-romantisches Set, in dem Evergreens wie „Nymphetamine (Fix)“ und das obligatorische „Her Ghost In The Fog“-Finale nicht fehlen dürfen.

Diesmal gibt es keinen Stilbruch. Stattdessen bleiben wir in der Schnittmenge, denn viele CRADLE-OF-FILTH-Fans können ganz sicher auch etwas mit der Musik und Ästhetik von MONO INC. anfangen.

21:45–22:45 MONO INC. (Dark Stage)

MONO INC. – ROCKHARZ 2025

MONO INC. – ROCKHARZ 2025

MONO INC. ist zweifelsohne eine der Stammkapellen auf dem ROCKHARZ. Direkt zu Beginn betont Sänger Martin Engler, dass es sich um eines der Lieblingsfestivals der Band handelt.

Das noch aktuelle Album „Ravenblack“ stellt heute die meisten Nummern der Setlist, und insbesondere deutsche Songs wie „Lieb Mich“ bleiben mit ihren Ohrwurm-Hooks sofort im Kopf. Singende und tanzende Goths füllen das Infield und dank der untergegangenen Sonne kommt die Lightshow bestens zur Geltung. Kein Wunder also, dass der Bereich vor der Dark Stage aus allen Nähten platzt und man diverse MONO-INC.-Shirts im Publikum erspäht.

Noch mehr Shirts sieht man von POWERWOLF, denn es ist Zeit für die heilige Metal-Messe auf der Rock Stage.

22:50–00:20 POWERWOLF (Rock Stage)

POWERWOLF – ROCKHARZ 2025

POWERWOLF – ROCKHARZ 2025

POWERWOLF rufen zur heiligen Metal-Messe und die Jünger folgen – das Infield ist zum Bersten mit Anhängern der Wölfe gefüllt. Deren Erwartungen werden selbstverständlich nicht enttäuscht, denn POWERWOLF brennen sowohl ein musikalisches als auch ein echtes Feuerwerk ab. Dazwischen gibt es alle Hits der jüngeren Bandgeschichte plus das Beste vom aktuellen Album „Wake Up The Wicked“.

Sänger Attila Dorn betont, wie gern er auf dem ROCKHARZ zu Gast ist und dass es für POWERWOLF immer wie ein Heimspiel ist. Die Fans antworten mit frenetischem Jubel und machen sich beim Crowdsurfen nach und nach auf den Weg zur Bühne, während „Army Of The Night“ und andere Übersongs durch den Harz schallen.

Nachdem die Wölfe heute schon zum Lykanthropischen Konzil gerufen haben und ihre Fans das Blut des Heilands kosten ließen, endet der fulminante Gig mit der Hymne „We Drink Your Blood“. Wir verabschieden uns von POWERWOLF mit einem vampirischen „Prost!“ und sagen: Bis zum nächsten Mal!

Gut, dass SÓLSTAFIR ruhigere Töne zum Tagesende anschlagen, denn eine kleine Pause tut nach diesem Abriss sehr gut.

00:30–01:30 SÓLSTAFIR (Dark Stage)

SÓLSTAFIR – ROCKHARZ 2025

SÓLSTAFIR – ROCKHARZ 2025

SÓLSTAFIR steigen um halb eins auf die Bühne und werfen eine Wand aus atmosphärischem Post Black Metal in die Nacht. Dichte Gitarrenwände und melancholische Melodien hängen schwer in der Luft, als würden sie den ganzen Tag mit sich herumtragen.

Der Einsatz des Streichbogens auf dem Sechssaiter von Aðalbjörn Tryggvason sorgt in der frischen Nachtbrise zusätzlich für Gänsehaut – mit den Ausmaßen des Mittelgebirges. Dazu eine Stimme, die tief ins Mark trifft. Keine Hektik, keine Show – es zählt nur die rohe Emotion, die der Sänger auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum teilt. Wer sich auf einen erinnerungsträchtigen Tagesausklang gefreut hat, bekommt hier eine intensive Soundreise serviert.

Auch heute gab es beim ROCKHARZ keine Schubladen, sondern einen wilden Ritt durch jede Ecke der Metalwelt. Vom aggressiven Death bis zum emotionalen Post Metal schlägt das Herz in allen Takten. Und so geht’s mit purer Vorfreude auf das morgige Festivalfinale in die Heia – oder auf den Campingstuhl.